Schuld
Wenn ich 100 Euro bei meiner Bank abhole und ich habe kein Saldo, dann entsteht eine Schuld. Wenn ich mich verlaufe, bin ich schuld daran, dass ich zurück muss, oder einen Umweg machen muss. Schuldgefühl ist dabei natürlich Unsinn.
Schuldgefühl entsteht, wenn man meint, dass man für eine Dummheit eigentlich zu gut ist, oder wenn man sich schämt.
Das ist aber ein Riesenmissverständnis. Man ist immer wer man ist und nie besser. Wenn ich einen Fehler mache, bin ich jemand, der gelegentlich Fehler macht. Wenn ich mich verlaufe, bin ich jemand, der sich nicht immer richtig orientieren kann oder der nicht immer aufmerksam ist, oder jemand, der sich vorher nicht ordentlich erkundigt hat.
Und das ist natürlich in Ordnung. Ich kann die 100 Meter auch nicht in 10 Sekunden laufen. Ich muss kein Schuldgefühl haben weil ich unvollkommen bin.
Schuld Gott gegenüber ist auch Unsinn. Gott kann nicht verletzt werden, wir können Ihn nicht beleidigen. Gott kann nicht etwas fehlen weil wir etwas Blödes tun. Er, oder Sie, ist das höchste Wesen, das Urbewusstsein, das total unveränderlich und zeitlos ist.
Sogar wenn ich etwas gestohlen habe, ist das so. Natürlich muss ich das Gestohlene zurückbringen. Und anscheinend bin ich noch jemand, der es nicht lassen kann zu stehlen.
Wenn ich anderen Schmerz oder Schaden zugefügt habe, ist Trauer angesagt. Mein Trauer. Und ich muss feststellen, dass ich es in meiner Dummheit und Ohnmacht nicht vermeiden wollte = konnte. Und natürlich werde ich Schaden und Schmerz, auch in meinem Interesse, so gut wie in der Praxis möglich, wieder gut machen. Aber Schuldgefühl? Hat mein Fahrrad Schuldgefühl, wenn der Reifen platzt? Es ist einfach passiert und für mich selber bleibt nichts anderes übrig als das Geschehene beobachten und daraus meine Schlüsse zu ziehen.
Wenn ich mich auf den Weg mache zu einem wichtigen Termin und ich weigere mich bewusst auf meine innere Stimme zu hören, die deutlich sagt: "du musst die Straße auf dem Stadtplan noch mal nachschauen", dann bin ich halt jemand, der sogar bei wichtigen Sachen nicht auf seine innere Stimme hört. Dann bin ich schon weit auf dem verkehrten Weg und ich muss einen langen Weg zurücklegen, bevor ich wieder regelmäßig auf meine innere Stimme höre. Aber Schuld? Mir selber gegenüber?
Wenn ich meine, dass das Gute von Anderen kommen soll, gebe ich diesen Anderen oft die Schuld, dass es mir nicht gut geht. Dann bin ich halt jemand, dem es nur gut gehen kann durch die Unterstützung von Anderen. Auch da ist es ein langer Weg zurück zur Einsicht, dass das Gute nur in und durch mich selber geschehen kann.
Wenn ich mich verlaufen habe, ist dann das Zurückgehen-müssen eine Strafe? Vielleicht sogar Gottes Strafe? Welch ein Unsinn. Der Allmächtige sieht für uns einen Weg vor, um uns schlussendlich wieder voll bewusst mit Ihm zu vereinigen.
Das führt uns subjektiv gesehen oft durch Täler, aber wir sollen lernen, wie wir den höchsten Berg besteigen können. Das geht nicht in einem Leben, aber Erfolg ist garantiert. Und in jedem Leben kommen wir ein Stück weiter.
Wir sind alle immer in einer notwendigen Phase einer guten Entwicklung.
Und: Ich kann zwar tun was ich will, aber es ist mir nicht immer vergönnt zu wollen was ich will. Wie viele Tage in meinem Leben habe ich genau gewollt/getan was ich mir vorgenommen hatte?
Das Wollen unterliegt weitgehend der Kausalität.
Und alles worauf wir stolz sind, ist uns geschenkt, ist Gnade.
Nur das "Ja" sagen zum Leben macht uns Frei und Eins mit dem Schöpfer.




