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Begreifen

Es gibt vier Phasen bei der Annahme einer Wahrheit:

1. Einen Satz, eine Mitteilung, intellektuell begreifen.

2. Diesen Satz nachvollziehen, mitfühlen und von Herzen bejahen.

3. Wenn Gedanken- oder Handlungs-Muster aufkommen, die mit dem Begriffenen nicht mehr übereinstimmen, diese sofort erkennen, kurz feststellen, dass sie nicht mehr aktuell sind und friedlich verschwinden lassen.

4. Die Gedanken- oder Handlungs-Muster, die mit dem Begriffenen strittig sind, kommen gar nicht mehr auf.

Zufrieden sein mit Phase 1, das heißt, eine Wahrheit nur intellektuell zu begreifen, kann die große Gefahr mit sich bringen, dass wir damit zufrieden sind und nicht realisieren, dass wir die neue Einsicht umsetzen und leben müssen, um davon Nutzen zu haben.

Eine Wahrheit, die nur intellektuell begriffen wird weiter zu geben, ohne die Bereitschaft, sie ins eigene Leben zu integrieren, ist Heuchelei. Leider kommt das bei sogenannten geistigen Wissenschaftlern oft vor. Diese Wahrheiten und Zusammenhänge wirken auf die Hörer wie ein auswendig gelerntes aber völlig unverstandenes Gedicht. Sie führen zu einem falschen Selbstbild und behindern damit die persönliche Entwicklung...

Einen Satz intuitiv nachvollziehen, mitfühlen und von Herzen bejahen... und anschließend als zu schwierig für das eigene Leben abzulegen, ist eine der wichtigsten Ursachen von ausbleibendem Wachstum. Eine als Wahrheit erkannte Einsicht verdient es, angenommen zu werden, wenn nötig unter Aufgabe der bisherigen Meinungen und Gewohnheiten.

Phase 3 ist ein weiter Weg. In dieser Zeit üben wir uns, die gewohnten, zu dem neu Erlernten in Widerspruch stehenden Gedanken und Handlungsimpulse sofort zu erkennen, sie zu beobachten und sie ohne viel Aufmerksamkeit als nicht mehr zutreffend abzulegen.

Wenn wir unsere "alten" ungewollt aufkommenden Gedanken zeitig erkennen und entsprechend der neuen Einsicht reagieren, sollen wir uns keine Sorgen machen, dass sie immer noch auftauchen. Sie stammen aus Gewohnheiten, aus "eingeschliffenen Rinnsalen" in unserem Großhirn, die Zeit brauchen um zu versanden. Und, wichtig: Wir sind nicht unsere Rinnsale!

Wir sind nicht unsere ungewollt aufkommenden Gedanken.

Wir sind die jetzt in unserem Gewahrsein erzeugten, zugelassenen und weitergeführten Gedanken und Handlungsimpulse.

Wenn wir weiter kommen wollen, müssen wir uns öffnen für das noch nicht Begriffene. Wenn wir alles Neue mit unseren aktuellen Einsichten beurteilen und danach handeln, kommen wir nie einen Schritt weiter. Wenn wir nach dem Höchsten verlangen und es ständig suchen, werden uns unaufhörlich höhere Wahrheiten präsentiert.
Nach meiner Auffassung ist es gut, neue Gedanken erst einmal ohne Kommentar aufzunehmen, damit wir die Gelegenheit bekommen, uns damit auseinander zu setzen. Nach kürzerer oder längerer Zeit sagt uns unsere Intuition - viel verlässlicher als unser Intellekt - ob und wie wir das Gehörte weiterverwenden können. Und mit der Erfahrung, die wir dann damit machen, können wir die neuen Einsichten auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen.

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