Wenn ich mich in dieser Welt so umschaue, scheint es schwierig zu sein, sich einen liebenden Gott vorzustellen.
Wenn ich glaubte, ein menschliches Wesen habe nur ein Leben und an all die völlig "nutzlosen" Leben um uns herum denke, wenn ich die Grausamkeit mancher menschlichen Schicksale sehe, denen Bitterkeit folgt, dann könnte ich mir keinen liebenden Gott vorstellen.
Wenn aber solche Leben eine Zeit des Lernens einer extrem schwierigen Lektion sind, dann kann ich das problemlos akzeptieren. Dann ist das Resultat positiv und der Lehrer ist ein liebender Lehrer.
Diejenigen, die mit mir meinen, dass Reinkarnation ein sehr gutes Modell ist für unser Verständnis, gehen davon aus, dass jedes menschliche Wesen sich im Laufe vieler Leben entwickelt. Das Wesen entwickelt sich vom Zeugungsgedanken Gottes bis es wieder vereint ist mit Gott in letzter Erleuchtung.
Der Pfad führt über Berge und durch Täler. Entwicklung findet nur statt, wenn man hinfällt und wieder aufsteht.
Denken wir an ein Kind, das herausfinden muss, wo es lebt und wo seine Grenzen sind. Dieses herauszufinden ist absolut notwendig. Aber um die Grenzen herauszufinden, muss man diese übertreten. Dasselbe passiert bei der Entwicklung eines menschlichen Wesens im Laufe des Reinkarnations-Zyklus. Es muss seine Grenzen finden, indem es diese Grenzen überschreitet. Das ist eine notwendige Phase einer perfekten Entwicklung. Jedes menschliche Wesen, jedes Selbst, muss seine eigenen Erfahrungen machen, um zu lernen, was "gut" und "böse" ist. Erst auf den wenigen letzten Stufen der Leiter können wir durch unsere Sehnsucht und durch direkte Einsicht vorankommen.
Das bedeutet, dass alle "schlechten" Dinge, die wir in dieser Welt sehen, eine notwendige Phase einer guten Entwicklung sind und deshalb, von der höheren Warte betrachtet, gut sind. Das bedeutet nicht, dass wir schlechte Handlungen akzeptieren müssen. Im Gegenteil, das gegen Grenzen verstoßende Individuum braucht für sein Lernen unsere menschliche Reaktion. Genauso brauchen wir für unser Lernen auch seine grenzüberschreitenden Handlungen.
Die Religionen des Orients sprechen von Karma. Oft wird es als eine Art Bestrafung verstanden, und wenn wir all unsere Bestrafungen verbüßt haben, sind wir frei und erleuchtet.
Ich bin der Meinung, so sollte das nicht verstanden werden. Gott bestraft nicht. Niemals. Aber wir müssen natürlich die Konsequenzen unserer Handlungen tragen. Wenn wir z.B. so weit gingen, dass wir einen Mitmenschen töten, bedeutet das, dass unser Charakter an einer Stelle schwer gestört ist. Diese Störung muss durch Erkennen geheilt werden. Und, wie wir wissen, Erkennen-müssen ist oft unangenehm. Also, wenn wir etwas "Schlechtes" tun, werden wir durch viele schwierige und unangenehme Situationen hindurchgehen müssen, um unsere Missverständnisse zu beheben. Das ist es, was das Gesetz des Karmas genannt wird.
Weil viele das Karma als eine Ausrede für ihr Handeln oder Nicht-Handeln einsetzen, möchte ich lieber Karma definieren als den Weg, den wir noch gehen müssen. Wenn wir dem rechten Pfad nicht folgen, müssen wir einen Umweg in Kauf nehmen. Aber unser Weg ist ein Weg des wieder Heil-Werdens, in Harmonie mit Allem. Der Heilungsprozess führt zurück zur Einheit mit dem Schöpfer. Die Geschichte des Verlorenen Sohnes, der von seinem Vater mit Freude wieder angenommen wird, ist symbolisch dafür.
Nur die Schwierigkeiten in unserem Leben können zu dem vollkommenen Glück führen, Sein lebendes Gedächtnis zu werden.
Was sollen wir im täglichen Leben also tun?
Wenn wir es schaffen, sehr liebevoll, klug, wach und aufmerksam zu sein, dann können wir wissen, was gut für uns und für die Menschheit ist. Wir brauchen dann nicht mehr die Grenzen zu finden, indem wir sie überschreiten. Wenn wir sehen, dass wir noch nicht so klug sind, dann können wir uns selbst vielleicht als Kind betrachten, das seine notwendigen Erfahrungen macht - und dieses Kind lieben - uns selbst auf dem Weg immerwährend lieben. Geboten aus Furcht zu gehorchen, hilft uns nicht weiterzukommen. Weiterkommen ist wachsen, und wir können nicht wachsen, indem wir Geboten aus Furcht oder Scham folgen..... und Wachsen ist der einzige Weg, um anzukommen. Wir sollten darum Scham und Furcht durch Einsicht und Liebe ersetzen.
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