Die meisten Leute sagen an einem Punkt ihres spirituellen Weges, sie müssten ihr Ego töten. Schauen wir uns das mal an.
Der Egoismus ist die angeborene Kraft, die uns Dinge tun lässt, die für uns gut sind. Die Kraft arbeitet schon für die Tiere. Die Tiere tun, was sie als angenehm erfahren und vermeiden, was sie als unangenehm empfinden. Die Verknüpfungen "angenehm und nützlich" und "unangenehm und falsch" sind angeboren. Auch der Drang zu handeln, wenn es angenehm=nützlich ist, ist angeboren. Die Evolution regelt nach diesem Prinzip die Auswahl der Lebensfähigsten, der Stärksten und der Gesunden.
Dann kamen die Menschen, und sie haben etwas besonderes, sie sind intelligent. Wow! Sie können herausfinden, wie man angenehme Erfahrungen machen kann, ohne darauf zu achten, ob die Folgen positiv sind. Sie können herausfinden, wie man dem Unangenehmen ausweichen kann, auch wenn man dafür etwas Falsches machen muss.
Die nötigen Regeln für das positive, nützliche Handeln, die wegen Mangel an Einsicht bei den Massen in Geboten gefasst wurden, werden in dem Maße, wie der Mensch sich selbständiger einschätzt, vernachlässigt und abgewiesen.
Das Angenehme wird gesucht, ohne zu Wissen über die Verbindung angenehm-nützlich. Und weil der Durchschnittsmensch sich nicht verantwortlich fühlt für seine Mitmenschen und für die Zukunft, wird das Angenehme, das Komfortable, das Leckere, allgemein als Richtlinie angenommen.
Diejenigen, die meinen das zu durchschauen, sagen: das Angenehme darf keine Richtlinie sein. Wir müssen unser "Ego töten", unser Ego opfern für das Gute. Nur so kann Egoismus beendet werden.
Ich halte das für falsch. Was wir tun müssen, ist die Verbindung angenehm-nützlich und unangenehm-falsch wieder herstellen. Wir erreichen das, indem wir sehen, dass alles auch für uns jetzt viel besser wäre, wenn unsere Vorfahren realisiert hätten, dass das was gut ist für die Menschheit, auch gut ist für den individuellen Menschen. Wir erreichen das, indem wir uns mitverantwortlich fühlen für den Nächsten, für die Umwelt, für unsere Kinder und Enkelkinder. Wir müssen lernen zu erfahren, was gut und angenehm ist für uns und für die Menschheit, jetzt und in der Zukunft. Und wenn das errungen ist, ist unser Ego unser Freund, der uns die Energie gibt zu tun, was gut ist.
Wenn wir unser Ego töten und das Angenehme nicht mehr als Richtline gebrauchen dürfen, sind die Vorschriften unsere Richtlinie, aber wir haben keine treibende Kraft mehr, ihnen zu folgen. Wir meinen, Gutes zu tun bedeute notwendigerweise Opfer zu bringen und etwas Angenehmes zu tun, verpflichtet uns zu Schuldgefühlen. Welch ein dramatisches Missverständnis!
Sollen wir Sex im Dunkeln haben? ... tief unter der Decke begraben und uns anschließend schuldig fühlen? Das ist natürlich Unsinn.
Wir können - auf völlig menschliche Art und Weise - unsere Intelligenz zusammen mit unserem Egoismus benutzen, um die Dinge richtig zu machen. Wir müssen nur unserem Ego, z.B. sagen: Das tägliche Essen einer Tafel Schokolade ist eine Sucht, und die Sucht hindert uns am wirklichen Genießen... außerdem ist es ungesund. Unsere Sexualität unbedingt jeden Tag auszuleben, ist eine Sucht und nicht mehr die freudige Feier des Eins-Seins. In eine funktionierende Ehe einbrechen ist ein Zeichen für fehlende Selbstbeherrschung und Liebe und hält uns davon ab, Fortschritte auf unserem spirituellen Weg zu machen; und... lügen ist Sand im Getriebe der Menschheit und es ist viel besser für jeden, wenn wir gültige Information weitergeben und empfangen.
Und wenn wir mit dieser neuen Information Egoismus leben, wird er zu unserem besten Freund. Es ist eine angeborene Kraft, auf die wir nicht verzichten sollten.
Natürlich soll unser Ego frei werden, frei von den alten Zwängen, die von der Entfremdung von angenehm und gut herrühren.
|